Altersvorsorge in Deutschland: So planen Sie Ihre Rente richtig

Sofia Nielsen
Sofia Nielsen

Finanzanalystin

1. März 2026 Min. Lesezeit
Geprüft von Sofia Nielsen Zuletzt aktualisiert 1. März 2026

Kurze Antwort

Die gesetzliche Rente deckt im Durchschnitt nur 48 % des letzten Nettoeinkommens. Um die Rentenlücke zu schließen, sollten Sie frühzeitig mit privater und betrieblicher Altersvorsorge beginnen. Die drei Säulen sind: gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge (bAV) und private Vorsorge (Riester, Rürup, ETF-Sparpläne).

Die gesetzliche Rente allein reicht nicht. Erfahren Sie, welche Vorsorge-Optionen Sie haben und wie Sie die Rentenlücke schließen können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die gesetzliche Rente deckt nur ca. 48 % des letzten Nettoeinkommens – die Rentenlücke beträgt im Schnitt 700-1.200 € monatlich
  • Betriebliche Altersvorsorge (bAV) nutzen: Arbeitgeber muss seit 2019 mindestens 15 % Zuschuss zahlen
  • Riester-Rente lohnt sich besonders für Familien mit Kindern (bis zu 300 € Zulage pro Kind)
  • Je früher Sie anfangen, desto besser: Mit 25 reichen 200 €/Monat, mit 45 brauchen Sie 600 €/Monat für das gleiche Ergebnis

Wie groß ist meine Rentenlücke wirklich?

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen Ihrem letzten Nettoeinkommen und Ihrer zu erwartenden gesetzlichen Rente. Das gesetzliche Rentenniveau liegt aktuell bei etwa 48 % des Durchschnittseinkommens – Tendenz sinkend.

Laut CalcAssur Daten kennen nur 28 % der Deutschen ihre voraussichtliche Rentenhöhe. Dabei ist die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung ein wichtiger Ausgangspunkt für die Planung.

Ein Beispiel: Bei einem Nettoeinkommen von 2.500 € und einer erwarteten Rente von 1.400 € netto beträgt die Rentenlücke 1.100 € monatlich. Um diese zu schließen, benötigen Sie bei 20 Jahren Ruhestand mindestens 264.000 € zusätzliches Kapital.

Welche Formen der betrieblichen Altersvorsorge gibt es?

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist die zweite Säule der Altersvorsorge. Seit 2019 müssen Arbeitgeber bei Entgeltumwandlung mindestens 15 % Zuschuss auf den umgewandelten Betrag zahlen. Es gibt fünf Durchführungswege:

  • Direktversicherung: Der häufigste Weg – einfach und unkompliziert
  • Pensionskasse: Ähnlich der Direktversicherung, oft bei größeren Unternehmen
  • Pensionsfonds: Mehr Freiheit bei der Kapitalanlage
  • Unterstützungskasse: Keine Begrenzung der Beiträge
  • Direktzusage: Der Arbeitgeber zahlt die Rente direkt – meist bei Führungskräften

Laut CalcAssur Daten nutzen nur 55 % der Anspruchsberechtigten ihre bAV. Das bedeutet, dass Millionen Arbeitnehmer auf den Arbeitgeberzuschuss und die Steuervorteile verzichten.

Berechnen Sie jetzt Ihre Rentenlücke und den optimalen Sparplan!

Rentenrechner

Riester oder Rürup – welche staatliche Förderung lohnt sich?

Beide Produkte bieten staatliche Förderung, richten sich aber an unterschiedliche Zielgruppen:

Kriterium Riester-Rente Rürup-Rente (Basisrente)
Zielgruppe Angestellte, Beamte Selbstständige, Gutverdiener
Staatliche Zulagen 175 € Grundzulage + 300 €/Kind Keine Zulagen, aber hoher Steuerabzug
Steuerabzug Bis 2.100 € als Sonderausgabe Bis 27.566 € (2026) als Sonderausgabe
Auszahlung 30 % als Einmalzahlung möglich Nur als lebenslange Rente
Vererbbarkeit Eingeschränkt (Ehepartner) Nicht vererbbar
Pfändungsschutz Ja Ja

Sind ETF-Sparpläne die bessere Altersvorsorge?

Immer mehr Deutsche setzen auf ETF-Sparpläne als flexible Alternative zu klassischen Rentenversicherungen. Der Vorteil: geringere Kosten, höhere Renditechancen und volle Flexibilität bei Ein- und Auszahlungen.

Laut CalcAssur Daten erzielen breit gestreute Aktien-ETFs (z. B. MSCI World) über einen Zeitraum von 20 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 7-8 % p. a. – deutlich mehr als die 1-3 % einer klassischen Rentenversicherung.

  • Vorteil: Niedrige Kosten (TER 0,1-0,5 % p. a.), hohe Flexibilität, gute Rendite
  • Nachteil: Keine staatliche Förderung, keine Garantie, Disziplin erforderlich
  • Tipp: Kombinieren Sie ETF-Sparplan mit Riester/bAV für die optimale Mischung

Wie viel muss ich monatlich für die Rente sparen?

Die benötigte Sparrate hängt stark vom Alter ab, in dem Sie beginnen. Der Zinseszinseffekt macht den entscheidenden Unterschied:

Laut CalcAssur Daten beginnen Deutsche im Durchschnitt erst mit 35 Jahren mit der privaten Altersvorsorge – 10 Jahre später als empfohlen. Diese Verzögerung kostet bei einer Rentenlücke von 1.000 € monatlich mehr als 100.000 € zusätzliches Kapital.

Startlalter Sparrate/Monat Gesamteinzahlung Kapital mit 67 (6 % Rendite)
25 Jahre 200 € 100.800 € ca. 428.000 €
30 Jahre 270 € 119.880 € ca. 398.000 €
35 Jahre 370 € 142.080 € ca. 374.000 €
40 Jahre 530 € 171.720 € ca. 358.000 €
45 Jahre 800 € 211.200 € ca. 354.000 €

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die durchschnittliche Rente in Deutschland?
Die durchschnittliche Altersrente liegt 2026 bei ca. 1.550 € brutto für Männer und 1.050 € brutto für Frauen in Westdeutschland. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung bleiben netto rund 1.350 € bzw. 920 €.
Lohnt sich die Riester-Rente noch?
Für Familien mit Kindern kann sich Riester weiterhin lohnen: Die Kinderzulage von 300 € pro Kind und 175 € Grundzulage machen bei zwei Kindern 775 € staatliche Förderung pro Jahr. Bei Singles ohne Kinder sind ETF-Sparpläne oft die bessere Wahl.
Ab wann sollte ich mit der Altersvorsorge beginnen?
Je früher, desto besser. Bereits 100 € monatlich ab dem 25. Lebensjahr können dank Zinseszins über 200.000 € bis zur Rente ergeben. Wer erst mit 40 beginnt, braucht für das gleiche Ergebnis die dreifache Sparrate.

Verwandte Rechner

Quellen

  1. Deutsche Rentenversicherung Bund – Rentenversicherung in Zahlen 2025
  2. Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Alterssicherungsbericht 2025
  3. Deutsches Institut für Altersvorsorge (DIA) – Vorsorge-Studie 2025/2026
Sofia Nielsen

Geschrieben von

Sofia Nielsen

Sofia Nielsen ist Finanzanalystin mit Schwerpunkt Versicherungsvergleich und Altersvorsorge. Sie hilft Verbrauchern, die besten Versicherungsangebote zu finden und ihr Budget optimal zu planen.

M.Sc. Finanzwissenschaften, Stockholm School of Economics 10+ Jahre Finanzanalyse Spezialistin für Versicherungsvergleich in europäischen Märkten Autorin mehrerer Fachpublikationen zur Altersvorsorge